Deniz Utlu
Vaters Meer

Irgendwo in seinen Tagebüchern schreibt Camus, dass sein Körper das Wasser brauche wie sein Geist das Schreiben. Manchmal denke ich, es ist umgekehrt: Mein Körper braucht das Schreiben, mein Geist das Wasser. In jedem Tropfen Wasser steckt die Geschichte allen Lebens. In jedem Text die Geschichten unzähliger anderer Texte. Ich schreibe in Wassernähe - und wenn es eine Wolke ist, die über das Dach des gegenüberliegenden Hauses hinwegzieht.

Deniz Utlu, geboren 1983 in Hannover, veröffentlichte 2014 seinen Debütroman „Die Ungehaltenen“, der 2015 für die Bühne adaptiert wurde. 2019 erschien sein zweiter Roman „Gegen Morgen“. Außerdem hat er Theaterstücke, Lyrik und Essays verfasst (u. a. für FAZ, SZ, Tagesspiegel).
Yunus ist dreizehn Jahre alt, da erleidet sein Vater zwei Schlaganfälle und ist fortan fast vollständig gelähmt. Zehn Jahre wird er von Yunus’ Mutter gepflegt, bevor er stirbt. Yunus, inzwischen aus dem Elternhaus ausgezogen, ruft sich Bilder aus seiner Kindheit wach: Sie fügen sich zum warmherzigen Porträt eines Mannes, der mit lauter Stimme lachte, auf Arabisch fluchte und der einst per Frachtschiff nach Deutschland kam. „Vaters Meer“ erzählt von einer Vater-Sohn-Beziehung, die abrupt endet, von Migration und Zugehörigkeit.

Deniz Utlu
Vaters Meer | Roman | Suhrkamp Verlag | Berlin 2023 | 383 S. | 25,00 Euro