LiteraTour Nord 2011/2012

Oldenburg | Bremen | Lübeck | Lüneburg | Hannover

In diesem Jahr ging die Literatur zum 20. Mal auf Tour durch den Norden. Das feierten die Veranstalter an jedem Ort der Tour mit einer besonderen Auftaktveranstaltung mit früheren Teilnehmern und Preisträgern.

Anschließend wurden ausnahmsweise nur fünf Neuerscheinungen vorgestellt. Neben dem Preisträger Gregor Sander lasen Jan Böttcher, Sherko Fatah, Sibylle Lewitscharoff und Inka Parei.

Gregor Sander ist der 20. Preisträger der LiteraTour Nord

Fangen wir mit dem Meer an...

"Fangen wir mal mit dem Meer an..." so begann Elmar Krekeler seine schöne Würdigung für Gregor Sander bei der Übergabe des Preises der LiteraTour Nord 2012 am 19. April in Hannover.

Und Elmar Krekeler nimmt die Zuhörer kurz mit an die Ostsee, zu dem Menschen am Strand, zu spielenden Kindern - und zu den Schemen der Geschichte dieser Landschaft: "Die Geschichten von damals, die Erinnerungen an den Staat, der mal da war, auf dessen Boden, an dessen Grenzen sie entlang laufen und der jetzt seit beinahe einem Vierteljahrhundert nicht mehr ist, diese Geschichten verschwinden, die Erinnerungen verblassen, je länger die Zeit, die große Gleichmacherin, durchs Land geht, je dicker die globale Tünche wird über den Häusern an der Ostseeküste. Ein ganzes Land, das da mal war, verschwindet. Die Menschen gibt es noch. Man kann ihnen zuhören. Oder Gregor Sanders Geschichten lesen."

Gregor Sanders Schreiben ist eng verknüpft mit Landschaft und Geschichte des vielleicht einzig europäischen Meeres, das für die meisterhaften Erzählungen den Bandes "Winterfisch" den Hintergrund bildet. Dazu heißt es auch in der Jurybegründung: "Neben der charakteristischen Zeichnung der Landschaften und der spezifischen Ausleuchtung der Handlungsräume trägt besonders der lakonische, kühle Tonfall Gregor Sanders zum Eindruck der Geschlossenheit bei, den die Erzählungen als Ganzes vermitteln. Er bewahrt sie vor literarisch unangemessener Sentimentalität und verhilft ihnen zu einer atmosphärischen Dichte, die ihresgleichen sucht."

Gregor Sander freute sich sichtlich über den Preis. Für ihn ist es die erste größere Auszeichnung. Aus diesem Anlass brach er auch mit einem seiner Prinzipien, nie aus einem unfertigen Text zu lesen und bot den rund 200 Gästen eine Premiere: Schon jetzt kann man sich auf einen atmosphärisch dichten Roman von Gregor Sander freuen! Darin waren sich alle einig.

  • Gregor Sander © Sintje Sander
  • Gregor Sander bei der Preisübergabe durch Friedrich v. Lenthe,... ©Reiner Mnich
  • ...voller Vorfreude im Gespräch mit Dr. Sabine Schormann, und... ©Reiner Mnich
  • ...beim Lesen aus seinem Roman-Manuskript. ©Reiner Mnich

Laudatio

Text von Elmar Krekeler zum Herunterladen.

Laudatio

Gregor Sander, geboren 1968 in Schwerin, absolvierte nach dem Abitur zunächst eine Schlosserlehre und eine Ausbildung zum Krankenpfleger, studierte dann in Rostock einige Semester Medizin, schließlich in Berlin Germanistik und Geschichte, besuchte die Berliner Journalistenschule und debütierte 2002 mit dem Erzählungsband „Ich aber bin hier geboren.“ 2007 wurde er mit seinem Roman „Abwesend“ für den Deutschen Buchpreis nominiert. Lebt in Berlin.